ERÖFFNUNG The Rhinoceros in the Room oder ein Märchen von Banalität und Bösem
17:00 bis 19:00 - 25. Januar 2026
Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, Regierungsstraße 4-6, 39104 Magdeburg

Die Installation eines überlebensgroßen Rhinozeros füllt den gesamten Kirchenraum und versperrt den Blick auf die romanische Architektur. Aus allen Himmelsrichtungen erklingt Musik. Der in Berlin lebende israelisch-deutsche Künstler Itamar Gov hat die gewaltige interdisziplinäre Installation für den mittelalterlichen Kirchenraum im Kunstmuseum Magdeburg geschaffen.

Ausgangspunkt des Werks ist ein Theaterstück von Eugène Ionesco, in dem die Verwandlung der Menschen in Nashörner als Metapher für gesellschaftliche Konformität und Widerstand steht. Daran knüpft die Formulierung „sich zu rhinocerisieren“ an. Sie beschreibt den Prozess, in dem Individuen und ganze Gesellschaften autoritären Strömungen folgen und gegenüber deren gewalttätigen Folgen gleichgültig werden. Vor diesem Hintergrund wird die Installation zu einem Projekt, das sich mit Themen wie Mythos, Autoritarismus und demokratischer Resilienz auseinandersetzt.

Aus einer raumfüllenden Mehrkanalkomposition von Bruno Delepelaire für acht Celli und Gesang hören wir klassische Melodien oder ein beruhigendes Wiegenlied heraus, erkennen Textzeilen aus Goethes Erlkönig und erhaschen Klänge aus dem hebräischen Hitragut von Paul Ben-Haim. Die beiden „Welten“ von Erlkönig und Hitragut bilden eine Art Dialog, ein Gute-Nacht-Lied und ein gruseliges Märchen, was ständig zwischen sanfter Beruhigung und alarmierendem Horror hin- und her wechselt.

Traum und Alptraum breiten sich im Kirchenschiff aus und verbinden sich mit dem Untertitel der Installation, die mahnend an den Ausspruch die „Banalität des Bösen“ von Hannah Arendt als Ausdruck totalitärer Herrschaftssysteme erinnert.

Die Ausstellung in der Kirche ist bis zum 11. März 2026 zu sehen.

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